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Bier aus Niederschwedeldorf

Nachdem am 28. Juli 1683 das Niederschwedeldorfer Vorwerk einer verheerenden Feuersbrunst zum Opfer fiel, wurde es bereits im Folgejahr wieder aufgebaut. Neben dem neuen Hof wurde auch ein geräumiges Brau- und Malzhaus errichtet, auf das die Braugerechtigkeit übertragen wurde, die seit einem halben Jahrhundert auf dem Glatzer Kollegium ruhte. Einen weiteren Hinweis auf dieses Brauhaus ist in Aufzeichnungen zum Nachbardorf Mügwitz zu finden. Um 1628 befand sich dort ein Kretscham (der Kretscham, abgeleitet von dem slawischen Worte “Karczam“, welches “Gericht“ bedeutet, ist ein Dorfgasthaus bzw. eine Schänke, die häufig Sitz des mit der Schankgerechtigkeit bedachten Schultheißen und Gerichtsort des Dorfgerichts / Gerichtskretscham war) mit Bierausschank. Diesen verkaufte Carl von Strasolde 1629 dem Johann Angelo von Morgante auf Volpersdorf, der ihn zusammen mit weiteren Besitzungen 1637 dem Georg von Gronenberg verkaufte. Dieser verband den Kretscham mit seinem Engelgut in Oberschwedeldorf. Beides war Lehensbesitz, der 1638 von Kaiser Ferdinand III. ins Erbe gesetzt wurde. 1640 verkaufte Georg von Gronenberg seine Güter einschließlich des Mügwitzer Kretschams dem kaiserlichen Obristen Wolfgang Ferdinand von Fitsch, der den Kretscham mit der Herrschaft Koritau verband, die bereits in seinem Besitz war. Nachdem das Dorf Mügwitz mit Ausnahme des Hospitalanteils seit 1628 im Besitz der Jesuiten war, erfolgte der Bierausschank seit 1684 aus dem jesuitischen Bräuhaus in Niederschwedeldorf 

Der Grundstein des Brauhauses zeigte das Jahr 1693 an, also etwa zehn Jahre nach der ersten Erwähnung. Daraus lässt sich schließen, dass vorher ein vorhandenes Gebäude genutzt und durch ein neues ersetzt worden ist. Nachdem der Grundstein mehrere Jahrhunderte überstand, verschwand er nach seinem letzten Standort in Schloss-Nähe spurlos.

Lange wurde in Niederschwedeldorf ein gutes, kräftiges Bier gebraut, das weit über die Grenzen bekannt und beliebt war. 1850 baute man das alte Brauhaus in eine Zuckerfabrik um. Das alte Brauerei-Haus, ein Nebengebäude der ursprünglichen Brauerei, steht noch heute gegenüber der Zuckerfabrik.





Jagd und Wild in Niederschwedeldorf


Dass die Grafschaft früher schon ein jagdliches Eldorado war, beweist der Umstand, dass sie bis 1742 das Jagdreservat der Könige von Böhmen bildete und über einen guten und artenreichen Wildbestand verfügte. Dieses Land mit seinen 1636 qkm, von denen 42 Prozent mit Wald bestockt war, gehörte vor 1526 zum Königreich Böhmen, dessen König, Georg Podiebrad, es 1459 zur Grafschaft erhob. 1742 kam es mit Schlesien zu Preußen, und der letzte “Graf von Glatz“ war somit Kaiser Wilhelm II.





In den Wäldern um Neurode fanden sich noch im 17. Jahrhundert Bären und Schwarzwild, während der letzte Wolf 1831 im Heuscheuergebirge festgestellt wurde.



Vor etwa 100 Jahren erlegte der nachmalige Kaiser Wilhelm I. bei Kunzendorf-Biele einen Damschaufler, eine Wildart, die in der Grafschaft in freier Wildbahn nicht vorkam, wohl aber in einem kleinen  Gatter in Eckersdorf und in einem ebensolchen, dem Grafen Deym-Giersdorf gehörenden und bei Gabersdorf-Wiltsch gelegenen Tierpark.

An seltenen Wildarten wäre noch das aus Korsika stammende Mufflon zu nennen, ein Wildschaf mit wuchtigen Schnecken, das die Gräflich Althann´sche Forstverwaltung, Mittelwalde und das preuß. Forstamt Reinerz hegten.



In den zusammenhängenden größeren Forsten im Süden und im Westen kam auch der Auerhahn vor,während sein kleiner Vetter, der Birkhahn verhältnismäßig selten, aber auch noch vertreten war.

Der Rotwildbestand war ein recht guter, insbesondere in den Forstämtern Seitenberg-Biele, Nesselgrund, Reinerz und Karlsberg-Heuscheuer. Aber auch die gräfl. V. Magnis´schen Forsten beherbergten starke Hirsche.



Das Forstamt Nesselgrund mit seinen rund 5000 ha verfügte in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts über einen derart überhegten Rotwildbestand, dass es dort kaum eine Fichte gab, die nicht geschält war und die Hirsche nachts bis auf die Münchhausenfelder in Niederschwedeldorf wechselten. Der damalige Kgl. Preuß. Oberförster Lignitz in Nesselgrund bekam nun den Auftrag, die Hälfte seines Rotwildbestandes abschießen zu lassen. Aber das brachte der sehr gutmütige Herr nicht fertig und erschoss sich. Er war als ein Mensch von solcher Herzensgüte, dass er neun Zehntel seines Gehalts an die Armen verschenkte und als Junggeselle für sich wenig verbrauchte.
Wie reichlich auch das Niederwild vertreten war, beweisen die Treibjagdstrecken des Baron Hilmar v. Münchhausen in Niederschwedeldorf, bei denen Anfang 1900 an einem Tage von 10 Schützen 1200 Hasen auf 1000 ha geschossen wurden. Tagesstrecken von 300 bis 400 Fasanen waren dort ebenfalls keine Seltenheit.

Von Schwarzwild ist im 19. Jahrhundert in der Grafschaft kaum etwas zu berichten, mit einer Ausnahme, dass während des 1. Weltkrieges der Oberförster Tietze zwei Keiler im Gewicht von je über 4 Zentner in seinem Revier Giersdorf erlegt hat. Man nahm damals an, dass diese sogenannten Schwarzkittel durch das damalige Kriegsgeschehen aus ihrer Heimat, den Karpathen vergrämt wurden und unstet immer weiter wechselten, bis sie in der Grafschaft ihr Schicksal ereilte.

 Nach Just, Forstmeister i.R. (aus Häämtebärnla 1993, Seite 128 bzw. GGHB, 1951)


Käse aus Niederschwedeldorf

Im Mittelalter (ca. 500 – 1500 n.Chr.)  verhinderten der Zunftzwang und das Meilen- und Niederlagsrecht die Verbreitung vieler Waren über die Stadt- bzw. Landesgrenzen hinaus. Dieses Zunft- und Meilenzwanges wegen war u.a. auch dem Käse der Augustinerchorherren zu Glatz nur einem kleinen Kreis zugänglich; er wurde auf ihrem (Nieder-)Schwedeldorfer Vorwerk hergestellt. Der nach Neisse geflohene Propst Benedikt bestellte sich in Glatz ein Schock auserlesenen Käse, “weil hier die Käse härter sind als Kieselsteine“.

Freilich könnte eine andere überlieferte Äußerung auch gegen das Gute der Augustinerkäse sprechen, dies aber doch nur unscheinbar: Als die Stadt Glatz vom päpstlichen Legaten Rudolf von Rüdesheim, der dann Bischof von Breslau wurde, im Kampf gegen König Georg von Podiebrad mit dem “Verbot aller kirchlichen Amtshandlungen“ belegt worden war, ging Propst Michael mit dem Johanniterkomtur und dem Vice-Archidiakon nach Breslau, um die Aufhebung des Interdikts zu erbitten. Um sich bei Rudolf gut einzuführen, brachte er ihm als Geschenk eine größere Anzahl des geschätzten Käse aus Niederschwedeldorf mit.

Aber das “duftende Geschenk“ machte auf den Legaten nicht den gewünschten Eindruck, denn er sagte: „Ich esse keinen Glatzer Käse!“ – Aber deshalb können die Käse trotzdem vorzüglich gewesen sein. Vielleicht mochte er nur grundsätzlich keinen Käse!?


 
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