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Glatzer Land, Heimatland, bleibt in Ewigkeit in Gottes Hand!

Während des zweiten Weltkrieges blieb die Grafschaft Glatz von direkten Kriegs-handlungen verschont. Bombenangriffe gab es Gott sei Dank kaum, nur vereinzelt in Glatz. Allerdings mussten auch hier viele Menschen einen schmerzhaften Tribut zahlen, sie verloren ihre Söhne, Ehemänner und Väter an der Front.

Als dann das Kriegsende nahte, wurde auch die schlesische Ebene von Kämpfen erfasst und die Rote Armee hatte schnell die Oberhand. Mit der Kapitulation am 9. Mai 1945 sollte das Leiden der Schlesier noch nicht beendet sein.
Die Sowjets besetzten mit Unterstützung der polnischen Miliz das Glatzer Land, drangsalierten und plünderten, folterten, verschleppten und töteten. So auch in Niederschwedeldorf.

Durch das Potsdamer Protokoll  vom 2. August 1945 kam die Grafschaft mit anderen deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Linie unter polnische Verwaltung.
Nach und nach übernahmen Polen, häufig vertrieben aus dem von der Sowjetunion nun wieder beanspruchten Ostpolen, die Höfe, Betriebe und Fabriken und besetzten Wohnungen.
Viele Niederschwedeldorfer haben wohl bereits einige Monate vor der ersten Vertreibungswelle geahnt, dass sie ihre Heimat, ihr Haus oder ihren Hof verlassen müssen. Immer wieder gab es Anzeichen dafür, Informationen sickerten durch, entstanden Gerüchte. So war in der einen oder anderen Familie bereits einige Tage zuvor schon das Notwendigste gepackt. Aber was war das Notwendigste? Kleidung, Lebensmittel, Betten, Wertsachen, Familienfotos und Erinnerungsstücke, soweit diese zu verstauen waren. Denn es konnte nur mitgenommen werden, was zu tragen oder im Handwagen zu transportieren war.
So äußerte Pfarrer Rosenberg bereits am 3. März 1946 bei seiner sonntäglichen Predigt die Vermutung, dass es allen Vorzeichen nach wohl das letzte Mal sein würde, dass die Gemeinde im heimatlichen Gotteshaus vollzählig versammelt sei. Gleichzeitig teilte er seinen Entschluss mit, die restliche noch verbleibende Gemeinde, meist Arbeiter vom Dominium und der Zuckerfabrik, nicht zu verlassen und weiter deren geistliche Betreuung wahrzunehmen. Der nun polnische Bürgermeister, hatte dies nicht verwehrt.  
Dann, am 5. März 1946, dem Fastnachtdienstag, war es für viele soweit. Polnische Miliz trieb die Bewohner aus ihren Häusern, die längst von den einquartierten Polen als Eigentum betrachtet worden waren. Dies geschah nicht immer gewaltlos.
Ein schwerer Abschied stand bevor. Die Heimat verlassen, das über viele Jahrhunderte und Generationen hinweg bewirtschaftete Land aufgeben. Das vertraute Haus, den Hof der Vorfahren, das Vieh, das Mobiliar mit all seinen behafteten Erinnerungen, die Gräber der Verstorbenen zurücklassen. Und es hieß Abschied nehmen von den zurückbleibenden Freunden und Nachbarn, soweit es bei diesem dann doch schnellen Aufbruch möglich war. Wird man sich wieder sehen? So mancher Blick ging zurück, es kam Wehmut auf, Tränen flossen. Keiner hatte die Gewissheit, ob es eines Tages wieder zurückgehen würde. Auf den Straßen und Wegen begegnete man andere Leidtragende, es bildeten sich die ersten kleinen Trecks. Es ging zuerst zum Gasthaus “Weistritztal“, zusammen mit Wallisfurthern um die Mittagszeit dann weiter über Niederaltwilmsdorf nach Glatz zum Finanzamt. Dort war die Sammelstelle für weitere unzählige andere Dorfbewohner aus der Grafschaft. Hier hieß es erst einmal warten, bis der Aufbruch zum Bahnhof angekündigt wurde. Die wichtigste Aufgabe in dieser Not bestand darin, das Hab und Gut nicht aus den Augen zu lassen und zu bewachen. Immer wieder kam es zu Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Wertsachen.
Am 7. März  gegen Mittag wurde in Niederschwedeldorf ein weiterer Transport zusammengestellt. Zusammen mit vielen Oberschwedeldorfern ging es wiederum zum Glatzer Finanzamt. Dann, am selben Tag, stand der Marsch zum Bahnhof an. Jeder bekam ein Pappschild mit der darauf gemalten entsprechenden Waggonnummer. Die Menschen, jeweils etwa 30 Personen, wurden in Gruppen in die Waggons, meist alte französische Viehwagen, gewiesen. Trotz der ersten Hinweise, dass es nach Westen gehen würde, herrschte große Ungewissheit und Angst über das Ziel. Geht der Transport im schlimmsten Fall doch nach Osten?
Als die Menschen und ihre Habseligkeiten verladen waren, setzte sich der Zug um 17.00 Uhr langsam in Bewegung. Aus fast allen Waggons erklangen Heimatlieder. Ein letzter Gruß an die Grafschafter Berge und Täler. Über den Wartha-Pass ging es weiter durch das schlesische Land bis Kamenz, dann nach Frankenstein. Der Zug fuhr tatsächlich nach Westen, Erleichterung machte sich breit. Am nächsten Tag, dem 8. März, war in der Stadt Kohlfurt Halt. In der nun russisch besetzten Zone übernahm dann die britische Behörde den Transport. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Milch, sowie einer überflüssigen Entlausung, ging es am nächsten Tag, dem 9. März, weiter. Im Laufe des Tages gab es immer wieder ein Halt an dem ein oder anderen Bahnhof ,und die Fahrt ging die kommende Nacht durch weiter. Am frühen Morgen des 10. März war Magdeburg erreicht. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter nach Marienthal bei Helmstedt in die Englische Zone. Hier wurde erstmalig das Ziel dieser ungewissen Fahrt bekannt: der Landkreis Osnabrück. Am nächsten Tag um 17.00 Uhr wurde die Fahrt dann in einem Personenzug fortgesetzt, der zwar mehr Komfort als die Viehwaggons bot, aber doch sehr lädiert war. Nach einer letzten kalten Nacht hielt der Zug in Hilter. Dieser Ort sollte die Endstation sein. In einer vorbereiteten Unterkunft wurden die Niederschwedeldorfer dann im Laufe des 12. März den vorgesehenen Ortschaften zugewiesen. Durch die Initiative der Lehrerin und Rektorin der Niederschwedeldorfer Schule, Maria Brieskorn, blieb das Dorf vor einem vollständigen Auseinanderreißen bewahrt. Nach nun 6 Tagen strapaziöser Fahrt, am 13. März 1946, war der Zielort erreicht: Kloster Oesede. Einzelne wurde in Hilter, Oesede, Herford und Stolzenau untergebracht.

Bei dieser ersten Vertreibungswelle hatten 232 Personen ihre Heimat verloren. Am 1. und 5. April 1946 wurden vier weitere Familien mit 16 Personen ausgewiesen, die u.a. ins Sauerland gelangten. Die zweite große Vertreibungsaktion führte am 22. Oktober 1946 147 Bewohner in den Raum Halle an der Saale. Im Dezember 1946 und im Laufe des Jahres 1947 mussten die mehr oder weniger letzten 114 Niederschwedeldorfer vor allem nach Sachsen und Thüringen. Nur wenige Menschen deutscher Herkunft konnten in der angestammten Heimat in Niederschwedeldorf bleiben.

Im Heimatbuch befinden sich weitere Berichte mit zum Teil sehr persönlichen Eindrücken über die Vertreibung (siehe Literatur)




Gedenkstein zur Erinnerung an die Ankunft der Vertriebenen in Kloster Oesede




 
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